Monthly Archives Juni 2018

Der Vater des heutigen Nada Yoga

Sri Vemu Mukunda (1929-2000)

 

»We come from sound,
we are sound,
we go back to sound.«

Sri Vemu Mukunda


Meister des Nada Yoga sind uns nicht viele bekannt. Derzeit gibt es wohl gar keinen lebenden Meister des Nada Yoga mehr. Das führt allerdings dazu, dass diese, zu den ältesten Yogaformen Indiens zählende Yogatradition nach und nach in Vergessenheit gerät.  

Der Mann, der zuletzt dieses alte Wissen um die Kraft des Tons ein Leben lang mit wissenschaftlicher Gründlichkeit und Genauigkeit erforscht, weiter entwickelt und damit einen Großteil davon vor dem Vergessen bewahrt hat, ist der indische Musiker Sri Vemu Mukunda. Er wurde am 11.03.1929 in Bangalore als Sohn einer Brahmanenfamilie geboren und erhielt eine dementsprechend fundierte, musikalische Ausbildung. Diese befähigte ihn, später zu einem Meister auf der Veena, dem ältesten Saiteninstrument Indiens, zu werden. 

Doch er entschied sich zunächst für ein Studium der Nuklearwissenschaft, das ihn nach Glasgow/England führte, wo er später an der Strathclyde University als Atomingenieur arbeitete. Der spirituellen Tradition seines Heimatlandes Indien begegnete der Atomwissenschaftler Vemu Mukunda zunächst mit skeptischer Vorsicht. Das mag ihn wohl dazu bewogen haben, sich sehr gründlich dem Studium der alten indischen Schriften wie u.a. dem Viveka Chudamani, Goraksha Satakam, Patanjali’s Yogasutra oder der Sangita Ratnakara zu widmen. Diese Schriften berichten allesamt von der spirituellen Dimension der Musik und vor allem von „Nada“, dem allen Dingen innewohnenden Grundton! Um „Nada“ in allem, und vornehmlich auch „Nada“ in sich selbst, also den eigenen, persönlichen Grundton zu erlauschen, verweisen diese Schriften auf bestimmte Meditationstechniken aus der Tradition des Nada Yoga. 

Vemu Mukunda erkannte, dass sich dabei der Erfolg wenn überhaupt, dann jedoch erst nach einer sehr langen Zeit des Praktizierens in strenger, yogischer Disziplin einstellen mochte. Die Herausforderung, diesen Grundton zu erfahren, mag Vemu Mukunda zu lebenslanger Forschung auf diesem Gebiet bewogen haben. Als Musiker dürfte ihm die weit über das Gehörte hinaus reichende, spirituelle Dimension der Musik und der damit verbundene Weg der Selbsterkenntnis sicherlich gewohnt und vertraut gewesen sein. Darüber hinaus enthielt seine musikalische Ausbildung in der Tradition der „Karnatika“, der südindischen Tempelmusik, viele Hinweise auf die einzigartige und heilende Wirkungsweise von Tönen und Tonfolgen, die Vemu Mukunda ebenfalls in seine Forschungen mit einbeziehen konnte. 

Vemu Mukundas großer Verdienst jedoch ist es, daß er den persönlichen Grundton eines Menschen in dessen Stimme entdeckte und ein Meßverfahren auf Grundlage der im Westen gebräuchlichen 12 Halbtöne dafür entwickelte. Für diese 12 Töne entschlüsselte er darüber hinaus eine Typisierung auf Grundlage der jedem Ton speziell innewohnenden Eigenschaften und Ausprägungen. Im Rahmen dieser Forschungstätigkeit entdeckte Vemu Mukunda eine tonale Innenstruktur des menschlichen Körpers auf deren Grundlage er die „Nada Brahma Tontherapie“ in Theorie und Praxis konzipierte.

Nachdem er seine Karriere als Atomphysiker aufgegeben hatte, widmete sich Vemu Mukunda ausschließlich der Musik. Als einer der ersten indischen Musiker praktizierte er die indische Musik in Verbindung mit dem Jazz und konzertierte sowohl in Indien als auch im Westen mit Musikgrößen wie u.a. Maurice Béjart und Maynard Ferguson. 

Die von ihm entwickelte „Nada Brahma Tontherapie“ lehrte er in den 80er und 90er Jahren vornehmlich in Europa und den USA. Doch lediglich in Deutschland gründete sich nach seinem Tod die „Gesellschaft für Sonologie nach dem Nada Brahma System e.V.“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den großen Schatz an Forschung und Wissen, den Vemu Mukunda der Nachwelt hinterlassen hat, zu erhalten und weiter zu vertiefen gemäß seinem Auftrag: „I only did the first step. You have to continue!“

Sri Vemu Mukunda verstarb am 4. Februar 2000 in seiner Wahlheimat London. Am gleichen Tag verstarb in Hamburg der deutsche Musikjournalist und Jazzproduzent Joachim Ernst Behrendt, der mit dem Buch „Nada Brahma – Die Welt ist Klang“ und seinen Radiosendungen zu diesem Thema im Westen berühmt wurde. Darin beleuchtet Behrendt das Thema „Nada Brahma“ aus westlicher Sichtweise. Nach Aussagen der direkten Schüler Sri Vemu Mukundas sind sich die beiden Männer zu Lebzeiten jedoch nur ein einziges Mal begegnet – und dieses Treffen soll wohl in recht unspektakulärer Weise ohne tiefer gehende Berührungspunkte erfolgt sein.


Aus meinem Buch „…“

Ton hat ordnende Wirkung


Der Schweizer Dichter und Politiker Gottfried Keller (1819-1890) sagte: „Alles Große und Edle ist einfacher Art.“

Gibt es etwas Einfacheres, als einen Ton? Leise oder laut, erzeugt nur durch die menschliche Stimme,gesummt, gesungen, getönt, gebrummt, gekrächzt, – eben ein einfacher Ton. Schlicht, schnörkellos, analog und kostenfrei. Von den meisten Menschen als nichts Besonderes eingestuft, ja vielleicht sogar als nutzlos tituliert. Nutzlos? Bei weitem nicht!

Dieser einzelne, kleine Ton, den wir mit unserer Stimme aussenden, hat durch das kosmische Gesetz der Resonanz die Kraft, uns mit der gesamten Schöpfung zu verbinden! Mit sichtbaren Welten und mit unsichtbaren Dimensionen. Er bindet uns ein als einen schwingenden Körper innerhalb eines schwingenden Universums, lässt uns als Instrument innerhalb des großen Weltenorchesters fühlen, bringt uns in Resonanz mit gleichschwingenden Phänomenen. Er kann augenblicklich unsere „Stimmung“ verändernund unser schwingendes Energiesystem auf allen Ebenen ordnen. Er teilt dem Universum sowohl von unserer einmaligen, unverwechselbaren Existenz auf Erden als auch unserer wahren Befindlichkeit und dem Wesen unserer individuellen Persönlichkeit mit. So ein einfacher, kleiner Ton ist bei genauer Betrachtung sogar ein wahres Wunderwerk und in der Tat großartig!

Töne haben ordnende Wirkung

Das hat der deutsche Physiker und Astronom Ernst Friedrich Florenz Chladni (1756-1827) eindrucksvoll mit einem simplen Klangexperiment bewiesen. Er streute Sand auf eine frei schwingende Metallplatte und brachte die Platte mittels eines Geigenbogens zum Schwingen. Baut man dieses Experiment in moderner Form nach, verwendet man keinen Geigenbogen mehr, sondern verbindet die Metallplatte mit einem elektronischen Frequenzgenerator. Auf diese Weise kann sie genau bestimmbaren Frequenzen zum Schwingen gebracht werden. Die dabei entstehenden Muster führen uns den Zusammenhang zwischen Schöpfung und Ton bildhaft vor Augen:

Die Chladnischen Klangexperimente zeigen, dass Ton in der Lage ist, Materie in eine geordnete Struktur zu bringen. Wir dürfen davon ausgehen, dass dies für jede Form von Materie gilt, also auch für den menschlichen Körper. Dabei kommt es nicht nur auf die Intensität der Töne an, sondern vor allem auch auf Frequenzgenauigkeit. Wie der menschliche Körper klingt, darüber weiß die Forschung bisher leider nur sehr wenig. Altes Wissen darüber ist nur in der von Sri Vemu Mukunda überlieferten „Nada Brahma Tontherapie“ erhalten. Es bildet die Grundlage für das moderne „Nada Yoga“, worunter wir das Erzeugen von Tönen am Körper mittels der eigenen Stimme verstehen.