Monthly Archives Juli 2018

Der Atem – Wunder des Lebens

Der nachfolgende Artikel von mir erschien in den Zeitschriften „Lebens-t-räume“ und „Fliege Magazin“, Ausgabe September 2015:

 

„Atem ist eine führende Kraft in uns,

Atem ist Urgrund und Rhythmus des Lebens,

Atem – ein Weg zum Sein!“ 

                                                      Prof. Ilse Middendorf

Wie viele Atemzüge pro Tag machen Sie eigentlich? Das wissen Sie nicht? Nun, dann ergeht es Ihnen wie den meisten von uns: Wir atmen unbewusst und machen uns über unseren Atem keinerlei Gedanken. Zumindest nicht, solange wir vital und in einer gesundheitlich guten Verfassung sind. Meist erst dann, wenn wir mit Krankheit oder gar Tod konfrontiert werden, tritt die Erkenntnis in unser Bewusstsein, daß das Leben  untrennbar mit dem Atem verbunden ist: ATEM bedeutet LEBEN!

Dabei wussten bereits alle alten Hochkulturen um die Heilkraft des Atems und seine ungeheuere Bedeutung für den Menschen. Und zwar nicht nur im körperlichen Sinne. Denn wenn der Mensch sich seiner selbst bewusst wird, stellt er sich die Frage „Wer bin ich?“ Und die Suche nach einer Antwort führt unweigerlich zum Atem und danach zu der ihm innewohnenden feinstofflichen Ebene des Seins: dem Ton.

Ist es Ihnen bewusst, dass Sie mit jedem Atemzug tönen, auch wenn es den Ohren nicht möglich ist, diese feinsten Frequenzen zu hören?

Atem, Stimme und Ton – diese drei sind untrennbar miteinander verbunden! Wird doch jedes Wort, das wir sagen, mit dem Ausatmen in die Welt gegeben. Und der persönliche Grundton, unser energetischer „Fingerabdruck“, schwingt nicht nur in unserer Stimme, sondern er ist bereits im Klang unseres Atems enthalten. Auf diese Weise ist unser Atem über das Resonanzprinzip unweigerlich mit allem verbunden, was tönt und klingt – also mit der gesamten Schöpfung! Und mit jedem Atemzug geben wir somit Kunde von unserem individuellen Sein und unserer gegenwärtigen Befindlichkeit: Ob wir das nun wollen, oder nicht – es geschieht!

Die Alten und Weisen des Ostens lauschten dem Atem einst das Mantra „So Ham“ ab, wobei „So“ als Keimsilbe des Einatmens und „Ham“ als Urlaut des Ausatmens steht. Es gilt als heiliges Mantra vieler bedeutender Yogis und ist nach dem AUM/OM das wichtigste Mantra überhaupt. „So“ bedeutet „Er/Sie/Es“ als Symbol des allgegenwärtigen Göttlichen. „Ham“ bedeutet „Ich“ und symbolisiert unsere menschliche Existenz in all ihren Facetten. Und so verbinden wir uns mit dem Göttlichen durch jeden einzelnen Atemzug indem unser Atem stetig das Mantra „So Ham“ in die Welt tönt: „ER/SIE/ES (ist) ICH, ICH (bin) ER/SIE/ES“. Vollkommen unabhängig, an welchen Gott wir nun glauben oder ob wir überhaupt an einen Gott glauben: Jeder unserer Atemzüge kennzeichnet uns als ein geistiges Wesen und verbindet uns mit jener göttlichen Kraft, die uns das Leben geschenkt hat.

Ach, und übrigens: Ungefähr 26.000 Mal am Tag tönen wir das Mantra „So Ham“ in die Welt, denn so viele Atemzüge macht ein Mensch durchschnittlich pro Tag. Wäre es also jetzt nicht einmal an der Zeit, sich mit dem eigenen, klingenden Phänomen intensiver auseinander zu setzen?

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(Anmerkung: „Das Mantra „So Ham“ habe ich vertont und veröffentlich auf meiner Meditations-CD „Öffne Dich und singe!“ Es kann als Download erworben werden unter https://itunes.apple.com/de/album/o-ffne-dich-und-singe/1258089828 )

Was ist NADA YOGA?

„Nada“ (sanskr.) bedeutet „Ton, Klang, Schrei, Laut, Geräusch, Schall“ und „Yoga“ heißt schlichtweg „Vereinigung, Verbindung“. Auf dem Weg des Yoga vereinigt man den materiellen Körper mit der geistigen Dimension des Seins.

Praktiziert man „Hatha Yoga“, findet diese Vereinigung mittels spezieller Körperübungen statt. Praktiziert man hingegen „Nada Yoga“, erfolgt diese Vereinigung durch Ton und Klang.

Den Rishis (= Seher oder mystische Weise im Hinduismus) war die Kraft von Tönen sehr wohl bekannt. Sie hielten ihr Wissen verschlüsselt fest in den Veden, den ältesten, bekannten Schriften der Menschheit. Dort wird berichtet von einer Technik, höchste Erleuchtung zu erfahren durch Ton und Klang. Diese Technik nannte man Nada Yoga.

Bei der Praxis von Nada Yoga werden fünf wesentliche Komponenten miteinander in Einklang gebracht: Stimme, Frequenz, Bewusstsein, Rhythmus und Atem. Dabei wird Ton stets in unmittelbare Verbindung mit dem physischen Körper gebracht, was jedoch eine Kenntnis um den persönlichen Grundton des Praktizierenden voraussetzt. Nur so kann sich die volle Wirkung von Nada Yoga entfalten.

Basis von Nada Yoga sind selbst erzeugte Töne, die am Körper erfahrbar werden. Dabei produziert man den Ton entweder im „Ahata“ (Sanskrit = „zum Klingen bringen“), also im stimmhaften Zustand oder im „Anahata“ (Sanskrit = „nicht angeschlagener, innerer Klang“), im äußerlich zwar unhörbaren, aber innerlich wahrnehmbaren Zustand.

Das Instrument des Nada Yoga ist die in der Indischen Musik als „Königin aller Instrumente“ bezeichnete, menschliche Stimme. Ein Praktizierender führt sich auf diesem Weg genau jenes Maß an Ton und Intensität zu, wie es für ihn verträglich ist – nicht zu viel und nicht zu wenig. Jede Form von „Fremdeinwirkung“ auf den Körper mittels aufgesetzter Instrumente (Stimmgabeln, Klangschalen, Monochord etc.) kann dieses Maß über- oder unterschreiten und ist in ihrer Wirkung folglich nicht exakt dosierbar.

Nada Yoga unterscheidet sich von vielen anderen Möglichkeiten der Klangheilung durch die Frequenzgenauigkeit. Es werden nicht einfach „irgendwelche“ Töne willkürlich verwendet, sondern man übt gezielt mittels jener Frequenzen, die der im Rahmen einer Grundtonbestimmung ermittelte, persönliche Grundton für jeden Menschen individuell festlegt. Die Lehre über den klingenden Aufbau des Menschen ist zentraler Bestandteil des Nada Yoga.

Eine der wesentlichen Komponenten, die ein „Nadopasaka“ (= einer, der den Ton verehrt) in seine Nada Yoga Praxis einbeziehen sollte, ist Bewusstsein. Gemäß dem Gesetz „Die Energie folgt der Aufmerksamkeit“, werden in einem Akt von hoher Konzentration Töne mittels Bewusstsein gezielt an bestimmte Körperpunkte gelenkt. Die stimmlich erzeugte Frequenz vereinigt sich mit der natürlichen Frequenz an diesen Körperpunkten und verstärkt so die Intensität der Töne. So können wir Töne am Körper direkt spüren, ihre Wirkungsweise kann unmittelbar erfahren werden.

Wie in jeder Form von Yogapraxis ist auch im Nada Yoga der Atem ein zentraler Bestandteil. Die indische Philosopie geht davon aus, dass unser gesamter Körper mit allen seinen umliegenden Energiekörpern von feinstofflichen Kanälen durchzogen wird, welche die Inder als „Nadis“ bezeichnen. Mit jedem Atemzug nehmen wir Pranaenergie = Lebenskraft auf, die sich in einem System von 72.000 Nadis im gesamten Körper verteilt. Mittels bestimmter Atemübungen, im Yoga „Pranayama“ genannt, versucht man Kontrolle über diese Lebensenergie zu erhalten. Ein „Nadi“ ist jedoch auch Kanal für „Nada“, den Ton. Mit der Stimme erzeugte Töne öffnen und aktivieren durch Vibration im Körper die Nadis, damit Prana ungehindert durch sie fließen kann.

Die in alter Zeit stets geheim gehaltene Lehre des Rhythmus, ist die fünfte der Säulen, auf denen die Praxis des Nada Yoga ruht. Der Umgang mit den Rhythmuselementen fördert unsere Fähigkeit zu logischer Konsequenz: So wie verschachtelte Rhythmen sich logisch wieder auflösen lassen, so finden sich auch gezielt Wege heraus aus Krisensituationen. Rhythmusübungen fordern die Konzentration in einem hohen Maß, lenken von emotionalen Empfindungen ab und klären so unseren Geist. Durch Rhythmusübungen lassen sich Gefühlsschwankungen leichter harmonisieren und „Verknotungen“ im Denken unbewusst und einfach lösen.

Nada Yoga bildet ein stabiles Fundament für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung – Hilfe zur Selbsthilfe (lat. „personare“ = hindurchklingen). Es ist eine einfache und jederzeit verfügbare Methode zur Harmonisierung von Körper, Geist und Seele: Gleich einem Instrument kann der Praktizierende sich überall und jederzeit selbst „stimmen“ um schnell und unkompliziert „in seine Mitte zu kommen“, d.h. einen ausgeglichenen und natürlichen Gemütszustand herzustellen. Die Stärken einer Persönlichkeit treten bei konstanter Praxis mehr und mehr in den Vordergrund während Schwächen zunehmend abgemildert werden bis hin zum völligen Verschwinden von Blockaden und alten Störungsmustern. Töne regen die Selbstheilungsmechanismen des Körpers stark an, klären den Geist und haben ordnende Wirkung auf den gesamten Organismus.

Interessantes aus der Stimmforschung

Hier findet Ihr einen Artikel zu diesem Thema, der 2013 im Zeit Magazin Wissen veröffentlicht wurde. Er ist ein wunderbares Hintergrundmaterial zum besseren Verständnis der Bedeutung der Stimme für uns Menschen. Der Artikel spricht mir geradezu aus der Seele, denn bei einer Grundtonbestimmung ist ja nicht der INHALT des Gesagten ausschlaggebend, sondern einzig und allein die in der Stimme schwingenden FREQUENZEN! Denn Worte können lügen – aber die Stimme lügt nicht!

Den Artikel findet Ihr hier:

https://nada-yoga-academy.com/wp-content/uploads/2018/07/Stimmforschung-Der-Klang-der-Seele-ZEIT-ONLINE.pdf

Über Eure Kommentare dazu würde ich mich freuen!