Mutmacher des Monats August 2020

„Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.” 

Antoine de Saint-Exupery (1900 – 1944), franz. Schriftsteller und Pilot

Klar sehen! Ja, das würden wir derzeit wohl alle gerne! Zwar läuft unser tägliches Leben langsam wieder in seinen gewohnten Bahnen an, aber doch ist alles anders als „vor Corona“: Jeder von uns muss seinen eigenen Umgang „mit dem Virus“ finden. Selbst wenn jemand keinerlei Angst vor einer direkten Infektion hat, erinnert doch die allgegenwärtige Maske daran, dass wir gerade in spannenden Zeiten leben, die besondere Herausforderungen mit sich bringen. Und das ist wohl für uns alle und überall deutlich spürbar. Am meisten irritiert sind wir wohl durch die allgemeine Verunsicherung. Niemand kann derzeit fundierte Aussagen darüber treffen, wie genau es denn jetzt weiter geht: Ob sich Auswirkungen des weltweiten Lock Downs erst später noch zeigen werden und welche das sein könnten. Und zwar nicht nur in einem großen und globalen Ausmaß, sondern auch in unserem kleinen und persönlichen Umfeld. Ja, wir haben nicht einmal die planbare und für uns bisher so selbstverständliche Sicherheit, dass z.B. die Veranstaltung im Herbst, für die wir heute Tickets kaufen, dann auch wirklich statt finden wird. Nichts erscheint mehr sicher – ein kühler Kopf und neue, kreative Lösungen sind mehr gefragt, denn je! Aber wie sollen wir sie finden, die neuen, kreativen Lösungen?! Dazu möchte ich Ihnen jetzt eine kleine Aufgabe stellen, die einmal den Bewerbern eines Vorstellungsgesprächs für Führungskräfte gegeben wurde:

Stellen Sie sich vor, Sie sind mit einem schicken Sportwagen ohne Rücksitz und Kofferraum unterwegs. Es ist Nacht, es regnet in Strömen, es ist kalt und sie fahren auf einer einsamen Landstraße durch eine ziemlich unbewohnte Gegend. Sie haben kein Telefon dabei und möchten nichts lieber, als endlich nach Hause! Auf ihrem Weg sehen Sie eine Bushaltestelle, an der drei Personen nass und frierend auf den nächsten Bus in die Stadt warten: Die erste Person ist die Frau / der Mann ihrer Träume, mit der / dem Sie ein wunderbares gemeinsames Leben haben können. Die zweite Person ist eine alte Frau in Lebensgefahr, die dringend der Hilfe bedarf und unverzüglich in das nächste Krankenhaus gebracht werden müsste. Die dritte Person ist einer ihrer besten Freunde, den sie zwar schon eine Weile nicht mehr gesehen haben, der Ihnen aber einmal das Leben gerettet hat. In Ihrem schicken Sportwagen ist nur ein freier Platz und es ist vollkommen unmöglich, mehr als eine der drei genannten Personen mit zu nehmen. Wie entscheiden Sie?

Eine knifflige Frage, nicht wahr?! Wenn Sie den Traumpartner / die Traumpartnerin, nach dem Sie schon so lange gesucht haben, JETZT dort stehen lassen, dann werden Sie diese Person sehr wahrscheinlich nie wieder finden! Wenn Sie jedoch die alte Frau dort stehen lassen, dann schafft sie den Weg ins Krankenhaus vielleicht nicht mehr und muss sterben. Und wenn Sie jenen Freund, dem Sie zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet sind, dort im Regen stehen lassen, dann haben Sie ihm seine Freundschaft ja wohl sehr schlecht abgegolten. Natürlich würden Sie gerne alle drei mitnehmen – aber das geht nicht. Und telefonisch weitere Autos anfordern oder nochmal zurück kommen – das geht auch nicht. Also was tun Sie? Denken Sie einen Moment nach … Liebe? Freundschaft? Oder Leben retten?

Ganz ehrlich? Ich hätte die alte Frau mitgenommen, denn das Leben ist das kostbarste Gut auf Erden und wenn ich sie dort stehen lasse, dann wird sie ihr Leben verlieren. Was den Traumpartner betrifft, nun, so kann man sicherlich auch noch andere, nette Partner auf der Welt finden und ein schönes Leben mit ihnen haben. Und der beste Freund wird doch sicherlich meine Entscheidung verstehen, lieber Leben zu retten als ihn mitzunehmen – schließlich hat er selbst mir auch einmal das Leben gerettet. Und ich könnte mir vorstellen, dass Sie jetzt vielleicht ebenso denken werden, wie ich … 

Deshalb verrate ich Ihnen nun, wie die Person entschieden hat, die bei dem Vorstellungsgespräch am Ende den Job bekommen hat. Sie sagte: „Ich würde aussteigen, meinem besten Freund die Wagenschlüssel geben und ihn bitten, die alte Frau ins Krankenhaus zu fahren. Dann würde ich mit meiner Traumpartnerin/Traumpartner gemeinsam auf den Bus warten!“ 

Und nun wissen Sie, wie ein einfacher Wechsel der Blickrichtung genügt, um klar zu sehen und vollkommen neue, kreative Lösungen zu finden!