Mutmacher des Monats März 2020

„Das Leben ist viel zu kostbar, als dass wir es entwerten dürften, indem wir es leer und hohl, ohne Sinn, ohne Liebe und letztlich ohne Hoffnung verstreichen lassen.” 

Václav Havel (1936-2011), tschechischer Schriftsteller und Politiker

Wir stehen zur Zeit in ganz Deutschland, vor allem aber im Rhein-Main-Gebiet und ganz besonders in meiner Heimatstadt Hanau noch immer fassungslos unter dem Einfluss jenes schrecklichen Abends des 19. Februar, an dem eine vollkommen verirrte Seele das Leben von neun jungen Menschen, das der Mutter und das eigene mit einer Schusswaffe ausgelöscht hat. Was immer diese Tat auch für einen Grund gehabt haben mag, so ist eines doch ganz sicher: Ein solcher Mörder achtet weder die Kostbarkeit eines Lebens, noch kennt er selbst den fundamentalen Wert von Leben! Jetzt, da er es verloren hat, wird es ihm hoffentlich im Jenseits bewusst. Und es mag vielleicht für manche ein schwacher Trost sein, dass ein Mensch, der so selbstherrlich Leben auslöscht, sich damit eine eigene Hölle (die Buddhisten nennen das „Karma“) selbst erschafft. Das Leben als solches nicht wert zu schätzen, eigenes wie fremdes Leben, gehört zu den tiefsten Abgründen, in die ein Mensch nur fallen kann! Aber für ihn ist es jetzt zu spät – was geschehen ist, ist geschehen. Für uns aber ist es nicht zu spät! Und das ist das einzig Wesentliche, was wir aus dieser Tat des Schreckens für uns selbst an Erkenntnis gewinnen können: Wir sind am Leben und wir sollen jedes Leben, eigenes und anderes, wertschätzen und feiern, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute! Wir atmen, wir lieben, wir lachen, wir sehen die Sonne auf- und untergehen, können die Schönheit der Welt und der Natur um uns herum wahrnehmen, den Regen auf unserer Haut spüren, die Wärme der frühlingshaften Sonne in unserem Gesicht fühlen. Wir dürfen hier weiterhin sein und handeln und unser Leben gestalten! Wir können unsere Liebe verschenken an wen oder was immer wir möchten, können freundliche Worte sprechen und unser Lebenslicht weithin sichtbar und hell leuchten lassen! Wir dürfen uns selbst immer wieder an unserem Leben erfreuen! Sogar wenn uns etwas quält, im Innen oder Außen, Schmerzen, Ärger, Kummer – auch das ist ein Zeichen, dass wir am Leben sind! Auch dieses Fühlen ist ein Teil des Lebens! Bei der Vorstellung, das Leben so plötzlich zu verlieren, wie es diesen neun jungen Menschen geschah – werden da unsere Sorgen, die uns tagtäglich beschäftigen, denn nicht unendlich klein und unbedeutend angesichts dieser Morde? Selbst das Leid, Entbehrungen, körperliche Gebrechen oder Krankheit, die persönlichen Höhen und Tiefen – auch sie sind ein Teil unseres Erlebens und auch dafür dürfen wir dankbar sein! Glauben Sie nicht auch, dass diese neun jungen Menschen unendlich froh wären, wenn sie jetzt „nur“ verletzt im Krankenhaus liegen würden, aber zumindest doch immer noch AM LEBEN?! Ich denke, sie hätten gerne viele Dinge noch getan, die für uns tagtäglich selbstverständlich sind wie z.B. Zähne putzen, ein Sandwich essen, einen Freund umarmen oder dem Zwitschern der Vögel im aufkeimenden Frühling zu lauschen. Nein, wir können nicht verstehen, warum gerade ihnen das nicht mehr vergönnt war und stehen fassungslos vor dieser sinnlosen Tat. Der Sinn des Lebens – ist das Leben selbst! Aber wir, die wir noch am Leben sind, können diesen Seelen nun zumindest doch unsere Gebete voller Licht, Liebe und Dankbarkeit senden und hoffen, dass sie ihr so kurzes Leben hier auf der Erde dennoch als reich, ausgefüllt und schön empfunden haben! Durch ihren Tod durften wir ganz unvermittelt erfahren, wie beschenkt wir schon allein durch die Tatsache sind, leben zu dürfen! Dafür wollen wir dankbar sein und dann mit dem beginnenden Frühling das Leben bejubeln und uns vor Augen halten, wie kostbar und wertvoll es für uns doch ist, gemeinsam mit vielen anderen Menschen einfach nur – AM LEBEN ZU SEIN!