Mutmacher des Monats Mai 2020

„Wenn du die Welt verändern willst, beginne damit, indem du dein Bett machst.” 

William H. McRaven (*1955), ehem. Admiral der United States Navy

Bei der Abschiedsfeier 2014 der Universität von Texas hielt der damalige Admiral der United States Navy William H. McRaven eine beeindruckende Rede, in der er einige grundlegende Lebenslektionen der Ausbildung innerhalb der United States Navy erläuterte. Eine davon war die o.g. Empfehlung, das eigene Bett zu machen. 

Wie bitte? Wenn ich die Welt verändern will, soll ich damit beginnen, mein Bett zu machen? Hat ein hochdekorierter Admiral der US Navy so etwas nötig? Sollten weltverändernde Empfehlungen nicht großartigere und weitsichtigere Strategien sein, als das eigene Bett zu machen? Offensichtlich nicht. Denn McRaven begründet, „dass man damit die erste Aufgabe des Tages erledige. Darauf könne der Mensch bereits ein klein wenig stolz sein, was ihn wiederum ermutigen würde, eine weitere Aufgabe zu erfüllen – und noch eine, und noch eine usw. Am Ende des Tages werde nun diese eine, kleine Aufgabe die Grundlage vieler anderer, erfüllter Aufgaben gewesen sein. So führe diese so unscheinbar scheinende Aufgabe zu der Erkenntnis, dass die kleinen Dinge im Leben von Bedeutung sind. Wer die kleinen Dinge im Leben nicht richtig machen könne, der werde auch niemals dazu fähig sein, die großen Dinge richtig zu machen! Und wenn man einmal einen miserablen Tag gehabt habe, so käme man nach Hause in ein Bett, das gemacht ist. Und zwar von einem selbst gemacht ist. Und so würde dieses gemachte Bett den Mut und die Hoffnung nähren, dass der morgige Tag ein besserer sein würde!“ 

Mich hat die Aussage dieses hochdekorierten Leistungsträgers der Marine tief beeindruckt. Solchen „Belanglosigkeiten“ wie dem Betten machen, messen wir ja wahrlich kaum Bedeutung bei! Viele Menschen haben zuhause jemanden, der das Bett für sie macht und betrachten es gerne als eine Selbstverständlichkeit, abends in ein gemachtes Bett zu sinken – für das sie selbst jedoch keinen Finger gerührt haben. Oftmals fehlt es ihnen sogar an Wertschätzung für diesen kleinen Dienst, den ihnen jemand mit liebevoller Hand erwiesen hat. 

Interessanterweise weiß man von Nelson Mandela, dem Mann, der als Gegner der Apartheid und erster schwarzer Präsident Südafrikas wahrlich Geschichte geschrieben hat, dass er zeitlebens ebenfalls sein Bett selbst machte und sogar in Hotels darauf bestand, dies selbst zu erledigen. Mandela schätzte sehr die Leistungen der arbeitenden Bevölkerung und war sich auch selbst niemals zu schade für jegliche „niederen“ Arbeiten. Ähnliches berichtet man von Mahatma Gandhi, der ja sogar die gesamte englische Tuchfabrikation in Indien zum Erliegen gebracht hatte, indem er damit begann, sein eigenes Garn zu spinnen und das Tuch für sein Gewand zu weben. Sollte uns das nicht zu denken geben?

Jetzt, in dieser Zeit der Angst vor dem Corona-Virus, ist die allgemeine Verunsicherung groß. Es sprießen die Verschwörungstheorien und der Unmut über die einschränkenden Vorgaben unserer Entscheidungsträger wächst. Doch gerade jetzt ist es wichtiger denn je, in dieser Krise unsere eigenen kleinen und großen Aufgaben zuverlässig an dem Platz zu erledigen, an den wir gerade gestellt sind – statt über Maßnahmen zu murren, die andere wiederum in ihrer Verantwortung getroffen haben! Bringen wir doch einfach unsere eigene, kleine Welt in Ordnung, indem wir die Aufgaben erledigen, die jetzt von jedem individuell gefordert werden – und sei es nur, das eigene Bett selbst zu machen! Das kleine bißchen Stolz darüber zieht die Kraft und manchmal auch die Ideen für neue Aufgaben nach sich – und neue, und neue … Und wenn wir einmal kopfschüttelnd nach Hause kommen, weil durch Maskenpflicht, neue Verordnungen und die vorherrschende Verunsicherung die gewohnte Welt „da draußen“ so aus den Fugen geraten scheint, so kommen wir dann zumindest nach Hause in unsere eigene, kleine und von uns in Ordnung gehaltene Welt, was uns die Hoffnung und den Mut gibt, dass auch die „große Welt“ bald wieder in eine gute Ordnung zurück finden wird!